Wenn jede Minute zählt: Emissionsminderung und Entgasung für Notfälle

Projekt Inertisierung Kesselwagen

Ein ganz normaler geschäftiger Vormittag im Hafen von Rotterdam: Schiffe laufen ein und werden entladen, andere Schiffe werden beladen und stechen in See. Überall herrscht reger Betrieb. Plötzlich kommt es zu einem Zwischenfall, ein stationäres System zur Behandlung und Reduzierung der entstehenden Emissionen und Dämpfe fällt unerwartet aus. Da auch Schiffe mit Ladung wie LNG, Benzin oder Ammoniak be- und entladen werden, drohen Emissionen unkontrolliert auszutreten – eine Gefahr für Mensch, Umwelt und die umliegenden Infrastrukturen.

In einer solchen Situation zählt oft jede Minute. Die Reparatur der stationären Vapor Recovery Unit (VRU) dauert Tage, ohne funktionale VRU dürfen die Prozesse aber nicht weiterlaufen und müssen unterbrochen werden. Um Umweltschäden zu vermeiden, kann der Betrieb im Hafen in der Regel so nicht einfach aufrechterhalten werden. Die Prozesse im betroffenen Bereich kommen meist sogar zum Erliegen.

Die Lösung: eine mobile Brennkammer, die die Aufgabe der Emissionsminderung während der Downtime der VRU übernimmt. So können die Prozesse weiterlaufen, ohne dass es zu Umweltschäden, Gefährdungen für Mitarbeiter und Anwohner oder Versorgungsengpässen kommt.

Notfallsituationen in industriellen Betrieben wie Häfen, Tanklagern, Raffinerien oder chemischen und petrochemischen Anlagen treten oft unerwartet auf, sind zeitkritisch und erfordern ein schnelles, sicheres Handeln. Dazu gehören etwa:

  • Havarien von Schiffen, insbesondere bei Gefahrguttransporten;
  • plötzlicher Ausfall von VRUs;
  • Leckagen oder Undichtigkeiten bei Lagertanks oder Pipelines;
  • ungeplante Abschaltungen von Anlagen zur Instandhaltung oder Reparatur;
  • Brände oder Explosionen, nach denen Tankanlagen oder Rohrleitungen entgast und inertisiert werden müssen.


In all diesen Szenarien geht es darum, gefährliche Dämpfe oder Restgase aus Tanks, Schiffen und anderen Anlagen kontrolliert abzuführen und zu behandeln – bevor sie in die Atmosphäre gelangen oder explosionsfähige Gemische bilden. Die mobile Entgasung sorgt für die notwendige Sicherheit, um Arbeiten durchzuführen oder den Betrieb übergangsweise aufrechterhalten zu können.

Wie hilft mobile Entgasung bei Notfällen?

In Notfallsituationen im industriellen Betrieb ist eine schnelle Reaktion gefragt: Dabei kommt es vor allem auf flexible und verlässliche Technik an. Mobile Systeme zur Emissionsminderung und Entgasung sind innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit, ohne auf stationäre Infrastruktur angewiesen zu sein. So ist eine schnelle Bereitstellung gewährleistet. Aufgrund ihrer mobilen und flexiblen Bauweise lassen sich die Anlagen direkt an den Ort des Notfalls bringen.

Mobile Brennkammern für die Entgasung und Ersatzgestellung von VRUs ermöglichen die sichere, umweltfreundliche und nahezu vollständige Verbrennung von Gasen, Gasgemischen und Dämpfen – ohne offene Flamme und mit einer Effizienz von über 99,99 %. So können austretende Emissionen sicher und nachhaltig behandelt und abgebaut werden, um Emissionen auf ein Minimum zu reduzieren und Sicherheitsrisiken deutlich zu senken.

Ergänzt werden die mobilen Brennkammern von ETS Degassing durch mobile Verdampfer mit atmosphärischem Stickstofftank. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn mit besonders reaktiven oder explosionsgefährdeten Stoffen gearbeitet wird: beispielsweise bei verflüssigten Gasen wie LNG, Ammoniak oder Butan. Der Stickstoff dient zur Inertisierung von Tanks, Leitungen oder anderen Anlagenteilen, bevor weitere Arbeiten durchgeführt werden können. Durch die Spülung dieser Komponenten lässt sich verhindern, dass es zu unkontrollierten Reaktionen wie Oxidation und dadurch zu Risiken wie Entzündung oder Explosion kommt.

Vorteile mobiler Emissionsminderung bei Notfällen

  • Schnelle Einsatzbereitschaft: Transport, Aufbau und Inbetriebnahme innerhalb weniger Stunden
  • Flexible Skalierbarkeit: Unterschiedliche Verbrennungskapazitäten ermöglichen die Anpassung der Leistung an die Anforderungen
  • Rechtssicherheit: Betrieb unter anderem nach TA-Luft, ISO 9001, ISO 14001 und ISO 45001
  • Minimierung von Ausfallzeiten: Anlagen müssen nicht stillgelegt werden, ein Übergangsbetrieb ist möglich

Einblicke in die Praxis: mobile Emissionsminderung für flexibles Notfallmanagement

Unser Team verfügt über die Erfahrung aus mehr als 3.000 Anwendungen – dabei haben wir unsere große Expertise und Fachkenntnis natürlich auch schon bei einigen Notfallsituationen eingebracht. Die folgenden Beispiele verdeutlichen, wie mobile Lösungen für die Emissionsminderung und Entgasung bei der Entschärfung von kritischen Situationen unterstützen können.

Entgasung eines havarierten LNG-Tankers

Infolge eines schweren Sturms kollidierten an der niederländischen Küste zwei Schiffe. Eines der beiden Schiffe wurde dabei stark beschädigt: Die Außenhülle des LNG-Tankers wurde aufgerissen und musste als wichtiger Bestandteil für die Sicherheit von Tankschiffen sofort repariert werden. Für die Arbeiten in der Schiffswerft mussten die Tanks komplett gasfrei sein. Um das LNG vollständig aus den Tanks zu entfernen, kamen für die Entgasung zwei unserer mobilen Brennkammern zum Einsatz. Nach der Benachrichtigung wurden die Anlagen bereitgestellt, die Arbeiten konnten nach erteilten Sondergenehmigungen der Behörden umgehend starten. Erst als die Tanks vollständig entleert waren, wurden in der Werft alle notwendigen Schweißarbeiten an der Hülle des Schiffs durchgeführt. Nach der Reparatur entgasten wir den Tanker erneut und führten den LNG Cool Down durch, um das Schiff für die Befüllung mit LNG vorzubereiten.

Spülung von entgleisten Kesselwagen mit Propan

Auf der Zugstrecke zwischen Hannover und Berlin kam es in Niedersachsen zu einer Gefahrenlage durch die Entgleisung von vier Kesselwagen. Die mit Propan gefüllten Kesselwagen waren infolge einer Kollision von zwei Güterzügen entgleist und umgekippt. Das Gas trat stellenweise aus, die Rettungsarbeiten waren durch eine erhöhte Explosionsgefahr erschwert. Die Herausforderung bestand darin, die Kesselwagen vor der Bergung zu leeren. Um die Gefahrenlage durch das Propan aufzulösen und die Entzündung des Propans zu verhindern, kam einer unserer mobilen Stickstoffverdampfer zum Einsatz. Dazu führte unser Team vor Ort die Inertisierung der Kesselwagen mit Stickstoff durch, um das Propan aus dem Kesselwagen zu spülen. Durch die Spülung wurde die Konzentration im Kesselwagen unter die UEG (untere Explosionsgrenze) gebracht. Später wurden wir noch damit beauftragt, einen der Kesselwagen zu entgasen und das restliche Propan sicher aus dem Tank zu entfernen.

Ersatzgestellung von ausgefallenen Vapor Recovery Units in Tanklagern

In zwei Tanklagern in Deutschland fielen die stationären Vapor Recovery Units aus. Für die Ersatzgestellung wurden jeweils unsere mobilen Brennkammern bereitgestellt, um zu verhindern, dass es in den betroffenen Regionen aufgrund von Produktionsstopps zu einem Engpass an Benzin kommt. So konnten die Anlagen ohne Einschränkungen weiter betrieben und Umweltschäden sowie ein Ausfall der Produktion vermieden werden.

Projekt Entgasung Kesselwagen

Fazit

Notfälle lassen sich nicht planen, aber mit den richtigen Technologien kontrolliert beherrschen. Mobile Emissionsminderung und Entgasung sind unverzichtbare Technologien im Management von industriellen Notfällen. Ob Schiffshavarie, Pipelineleck oder VRU-Ausfall: Die Fähigkeit, schnell und sicher auf kritische Situationen zu reagieren, schützt nicht nur Mensch und Umwelt, sondern auch den sicheren Betrieb der Prozesse.